for further information feel free to contact me via Email or instagram


info[at]teresalinhard.com
@teka_lin


Foto Ivo Faber

„While some nation states are dismantled or fall apart, new cultures and traditions are invented and new histories created.“*

DEU
Die Selbsterfindung Europas als Zentrum, Maßstab und Norm erfordert eine permanente Negierung von Beziehungen. Europa grenzte sich gegenüber Asien und Afrika ab, definierte zugleich aber Teile nordafrikanischer Kulturen sowie das Christentum aus dem „Nahen Osten“ als eigene Vergangenheit.

Es ist ein schizophrener Widerspruch, einerseits die europäische Identität auf der Integration nichteuropäischer Traditionen, Ideen und Erzeugnissen aufzubauen und gleichzeitig den Einfluss Anderer zu negieren. Auch in der europäischen Kunstgeschichte bedurfte es einer als „anders“ wahrgenommenen Kunstproduktion in nichteuropäischen Gebieten, um sich selbst zu definieren. **

Die Auseinandersetzung mit transkulturellen Beziehungen und mit der Konstruktion von kultureller Differenz kann daher dazu beitragen, die Transkulturalität Europas sichtbar zu machen. Grundlegend ist ein dynamisches Verständnis von Kultur, das Anerkennen von grenzüberschreitender Mobilität und stetigen Wandlungsprozessen.**

Diese Beziehungen zwischen Kulturen lassen sich nicht in reduziertem, binären Denken von „Eigenem“ und „Anderem“ zusammenfassen. Diese Beziehungsgeschichten müssen stets neu vermessen, ausgehandelt und neu definiert werden. Positive Strategien im Erleben von kultureller Differenz reichen von selektiver Aneignung, Mediation, Übersetzung, Umdeutung und Bedeutungswandel bis hin zu ablehnenden Strategien von Nicht-Kommunikation, Abgrenzung, Ablehnung oder Widerstand.*** Bilder sind hierbei wichtige Komponenten um globale Netzwerke zu verstehen und zu kreieren. Um eine gemeinsame Geschichte zu erzählen. Sie können hierbei als „visual bonds dienen“* die durch Kopieren und Verbreitung große, globale Reichweite erreichen können. Schaffen wir es dann noch die verhärteten Begriffe von Originalität und Genie und einer creatio ex nihilo hinter uns zu lassen, könnte ein viel flexibleres Denken möglich sein.**** Es könnte sich ein produktives Spiel entwickeln, das völlig neue Ergebnisse ermöglicht. Blicke in andere Kunstentwicklungen helfen, festgefahrene rassistisch konstruierte Denkmuster zu hinterfragen. Sie sind Jahrhunderte lang konstruiert worden und somit kulturell bedingt. Erzählungen sind niemals objektiv oder neutral.

Jetzt ist der Zeitpunkt den Mut aufzubringen Beziehungsgeschichten neu zu erzählen und von Momenten der Berührung, von Übergängen und von wechselseitigen Einflüssen erzählen.

Ein Beispiel für solche Prozesse findet sich in der europäischen Auseinandersetzung mit China und der Entstehung der Chinoiserie. Bereits im frühen 16. Jahrhundert nahm mit dem Umfang des Warenverkehrs auch die Menge an Informationen aus erster Hand erheblich zu. Jesuiten erreichten China erstmals gegen Mitte des 16. Jahrhunderts. Ab dem späten 16. Jahrhundert erschienen zunehmend Bilder über den Fernen Osten in weltlichen Publikationen, wobei Amsterdam zu einem wichtigen Entstehungsort wurde. Die Verbreitung von Bildern konnte dabei auch als bewusste Handelsstrategie verstanden werden: Bilder und somit Narrative in die Welt zu setzen, war eine Verkaufsstrategie.


ENG

The self-invention of Europe as a centre, standard, and norm requires the constant negation of relationships. Europe defined itself in opposition to Asia and Africa, while at the same time incorporating parts of North African cultures, as well as Christianity from the “Near East”, into its own past.

It is a schizophrenic contradiction to build European identity, on the one hand, upon the integration of non-European traditions, ideas, and products, while simultaneously denying the influence of Others. European art history, too, depended upon art production in non-European regions being perceived as “other” in order to define itself.**

Engaging with transcultural relationships and with the construction of cultural difference can therefore contribute to making Europe’s transculturality visible. Fundamental to this is a dynamic understanding of culture, one that acknowledges cross-border mobility and continuous processes of transformation.**

These relationships between cultures cannot be reduced to binary notions of the “self” and the “other.” Histories of relationships must continually be reassessed, negotiated, and redefined. Positive strategies for engaging with cultural difference range from selective appropriation, mediation, translation, reinterpretation, and shifts in meaning to strategies of refusal, such as non-communication, demarcation, rejection, or resistance.*** Images are important components in understanding and creating global networks. They can contribute to telling a shared history. In this context, they can serve as “visual bonds”* that can achieve a broad global reach through copying and dissemination. If we can also move beyond the rigid concepts of originality and genius, and of a creatio ex nihilo, a much more flexible way of thinking might become possible.**** A productive interplay could emerge, enabling entirely new outcomes. Looking at other artistic developments can help to question entrenched, racially constructed patterns of thought. These have been constructed over centuries and are therefore culturally conditioned. Narratives are never objective or neutral.

Now is the time to find the courage to retell histories of relationships and to speak of moments of encounter, of transitions, and of mutual influences.

An example of such processes can be found in Europe’s engagement with China and the emergence of Chinoiserie. As early as the beginning of the sixteenth century, the increasing volume of trade was accompanied by a significant increase in the amount of first-hand information. Jesuits first reached China around the middle of the sixteenth century. From the late sixteenth century onwards, images of the Far East increasingly appeared in secular publications, with Amsterdam becoming an important centre of their production. The dissemination of images could also be understood as a deliberate commercial strategy: putting images, and thus narratives, into circulation was a sales strategy.


*Zitat Hito Steyerl, In defense of the poor Image
**Anna Greve, FARBE – MACHT – KÖRPER Kritische Weißseinsforschung in der europäischen Kunstgeschichte
***Monica Juneja im Gespräch mit Joachim Eibach und Claudia Opitz-Belakhal, Zwischen Kulturen - Mittler und Grenzgänger vom 17. bis 19. Jahrhundert
**** Byung-Chul Han, Shanzai. Dekonstruktion auf Chinesisch, sowie Meng Tang, Shanzhai: Dekonstruktion auf Chinesisch: Eine Besprechung



Teresa Linhard
*1992 in Nürnberg 
2017-23 Freie Kunst, Kunstakademie Düsseldorf
studiert bei Prof. Tomma Abts, Prof. Ellen Gallagher und Meisterschülerin von Prof. Peter Piller
2012-17 Bachelor of Arts Kommunikationsdesign, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
2015 Auslandssemester Printmaking Department, University of Fine Arts Hanoi, Vietnam

Ausstellungen (Auswahl) (S=Solo, G= Gruppe)
2026 

Taking Space - Politische Dimensionen des Textildesigns, Burg Galerie, Volkspark, Halle (Saale) (G)
Früher oder Später, Werkleitz Festival 2026, Halle (Saale) (G)
For Ever and Forever When I Move, KIT - Kunst im Tunnel, Düsseldorf (duo mit Enya Burger)

2025
(ent)hören, Werft77 Kunst im Hafen, Düsseldorf (G)
Ein Fell und eine Seele, KöX, Düsseldorf (G)
DIE GROSSE, Kunstpalast & NRW-Forum, Düsseldorf (G)
a resonance, Schaufenster 15, Schwarzweiss Fotolabor, Düsseldorf (S)

2024
Dance, Eternal Spirits, Dance!, Lalo Nord, Wuppertal (G)
Changing Threads, strike–a pose Impulse, live lab studios, Düsseldorf (G)
Auf der Suche nach Vergnügen, Fünfzehnwochen, Düsseldorf (S)
Mur Brut 31|Shíshi&Cherub: Eine Verflechtung, Kunsthalle Düsseldorf, mit Texten von Jana Buch (S)
altered perceptions–the unseen threads, Galleri Blunk, Trondheim, Norwegen (duo mit Johanna Rogalla)

2023
BeLonging, Platform, München (G)
Dingi77, Dauerwelle, Bremen (G)

2022
Säulen Säumen, Herzogstraße 91, Düsseldorf (G)
Irgendein) Raum, Werft 77 Kunst im Hafen, Düsseldorf (G)
forest in the city–garden filled with fruits, Lost weekend meets Young Art, München (duo mit Kazuyo Yabuuchi)
Five times dragon, Q, Kopenhagen, Dänemark (G)

2021
Inbetweens, Weltkunstzimmer, Düsseldorf (G)
In Samt gegossen, Freiraum–kollaborativer Konzeptions und Arbeitsort für die Künste, Düsseldorf (G)

2020
Goldenes Vlies, Ortung12, Schwabach (duo mit Veronica Andres)
Flink wie ein Wesen, Baustelle Schaustelle e.V., Düsseldorf (S)

2019
Station sechs/Verhandlungsbasis, Palmer Galerienhaus 3.0, Stuttgart (G)
Contemporary Heritage, Tiraz–Widad Kawar Home for Arab dress, Amman, Jordanien (G)
All Is One – La Cittá Invisibili, Am Ende des Tages - AedT, Düsseldorf (G)

2017
Garten der Lüste, Kunststiftung Sachsen-Anhalt, Halle (Saale) (G)

Stipendien
2021 PROMOS Stipendium des DAAD, für ein Praktikum bei Nora Pao, Chiang Mai, Thailand
2021 Residency Labor der Künste–Kolleg für Musik und Kunst Montepulciano
2020-21 Deutschlandstipendium
2015 PROMOS Stipendium des DAAD, für ein Auslandssemster an der University of Fine Arts Hanoi, Vietnam

Publikationen

2026 For Ever and Forever When I Move, KIT - Kunst im Tunnel (Hrsg.), 2026
2025 Mur Brut 13-32, Kunsthalle Düsseldorf (Hrsg.)
2021 Notizen aus Stein, Arisa Purkpong und Jana Buch (Hrsg.) 



Deine Anmeldung konnte nicht gespeichert werden. Bitte versuche es erneut.
Deine Anmeldung war erfolgreich.

Newsletter