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Foto Ivo Faber
„While some nation states are dismantled or fall apart, new cultures and traditions are invented and new histories created.“*
DEU
Die Selbsterfindung Europas als Zentrum, Maßstab und Norm erfordert eine permanente Negierung von Beziehungen. Europa grenzte sich gegenüber Asien und Afrika ab, definierte zugleich aber Teile nordafrikanischer Kulturen sowie das Christentum aus dem „Nahen Osten“ als eigene Vergangenheit.
Es ist ein schizophrener Widerspruch, einerseits die europäische Identität auf der Integration nichteuropäischer Traditionen, Ideen und Erzeugnissen aufzubauen und gleichzeitig den Einfluss Anderer zu negieren. Auch in der europäischen Kunstgeschichte bedurfte es einer als „anders“ wahrgenommenen Kunstproduktion in nichteuropäischen Gebieten, um sich selbst zu definieren. **
Die Auseinandersetzung mit transkulturellen Beziehungen und mit der Konstruktion von kultureller Differenz kann daher dazu beitragen, die Transkulturalität Europas sichtbar zu machen. Grundlegend ist ein dynamisches Verständnis von Kultur, das Anerkennen von grenzüberschreitender Mobilität und stetigen Wandlungsprozessen.**
Diese Beziehungen zwischen Kulturen lassen sich nicht in reduziertem, binären Denken von „Eigenem“ und „Anderem“ zusammenfassen. Diese Beziehungsgeschichten müssen stets neu vermessen, ausgehandelt und neu definiert werden. Positive Strategien im Erleben von kultureller Differenz reichen von selektiver Aneignung, Mediation, Übersetzung, Umdeutung und Bedeutungswandel bis hin zu ablehnenden Strategien von Nicht-Kommunikation, Abgrenzung, Ablehnung oder Widerstand.*** Bilder sind hierbei wichtige Komponenten um globale Netzwerke zu verstehen und zu kreieren. Um eine gemeinsame Geschichte zu erzählen. Sie können hierbei als „visual bonds dienen“* die durch Kopieren und Verbreitung große, globale Reichweite erreichen können. Schaffen wir es dann noch die verhärteten Begriffe von Originalität und Genie und einer creatio ex nihilo hinter uns zu lassen, könnte ein viel flexibleres Denken möglich sein.**** Es könnte sich ein produktives Spiel entwickeln, das völlig neue Ergebnisse ermöglicht. Blicke in andere Kunstentwicklungen helfen, festgefahrene rassistisch konstruierte Denkmuster zu hinterfragen. Sie sind Jahrhunderte lang konstruiert worden und somit kulturell bedingt. Erzählungen sind niemals objektiv oder neutral.
Jetzt ist der Zeitpunkt den Mut aufzubringen Beziehungsgeschichten neu zu erzählen und von Momenten der Berührung, von Übergängen und von wechselseitigen Einflüssen erzählen.
Ein Beispiel für solche Prozesse findet sich in der europäischen Auseinandersetzung mit China und der Entstehung der Chinoiserie. Bereits im frühen 16. Jahrhundert nahm mit dem Umfang des Warenverkehrs auch die Menge an Informationen aus erster Hand erheblich zu. Jesuiten erreichten China erstmals gegen Mitte des 16. Jahrhunderts. Ab dem späten 16. Jahrhundert erschienen zunehmend Bilder über den Fernen Osten in weltlichen Publikationen, wobei Amsterdam zu einem wichtigen Entstehungsort wurde. Die Verbreitung von Bildern konnte dabei auch als bewusste Handelsstrategie verstanden werden: Bilder und somit Narrative in die Welt zu setzen, war eine Verkaufsstrategie.
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